FRIDERICA MAGDALENA "VON" WÄCHTER

Ich wurde in Neuseeland geboren als Ergebnis der Reise die meine Eltern mit dem kleinen  Segelschiff „Regentag“ von Friedensreich Hundertwasser unternommen hatten. Diese halbe Weltumseglung dauerte drei Jahre lang von Venedig aus.

Meine Mutter war Schwedin und stammte aus einer angesehenen Journalistenfamilie. Mein Großvater mütterlicherseits war unter anderem in Berlin Auslandskorrespondent und zu dieser Zeit eng mit Willy Brandt befreundet.

Mein Vater war vor besagter Reise einige Jahre lang Sekretär für Friedensreich Hundertwasser, er arbeitete die ganze Zeit unentgeltlich für Kost und Logis, da er wegen seines eigenen Vaters, meines Großvaters, einem „Juden dienen wollte“. Denn mein Großvater war ein führender Nazianwalt der ersten Stunde in Österreich, er war der Hauptorganisator des Putschversuches bei dem der Österreichische Bundeskanzler Dollfuß 1934 erschossen wurde. Mein Großvater wurde später NS Distriktsgouverneur, zuerst von  Krakau, dann von Lemberg. Anschließend war er Militärverwaltungschef in Italien und schließlich in Himmlers Stab in Berlin. Er war verantwortlich für viele Tote im Holocaust sowie des NS Terrors und gründete die ukrainische SS. Diese Familienlast war und ist ein schweres Erbe, das mein Leben nachhaltig prägte.

Der Weg der Kunst, zuerst das Studium der Tapisserie (Weben, Textilkunst bei Josef Schulz und Irene Hohenbüchler) sowie das Diplom der Malerei und Grafik bei Gunter Damisch, alles auf der Akademie der Bildenden Künste in Wien, war irgendwie schicksalhaft vorgegeben da Friedensreich Hundertwasser mein Taufpate war. Es hat zwar meinen Stil nicht weiter beeinflusst, aber  den Wunsch erweckt, selber Malerin zu werden.

Ich wuchs in Italien, Schweden und im Schloss meines Vaters auf. Es gingen dort zahlreiche bekannte Künstler ein und aus. Es war auch der Sitz der Wiener Gruppe in den 1960er Jahren. So lernte ich verschiedenste Menschen und Lebensweisen kennen und mit sehr unterschiedlichen Situationen umzugehen: mit Fluchterfahrung aus privaten Gründen meiner Mutter, ständigem Ortswechsel, acht verschiedene Schulen in drei Ländern zu besuchen und fünf Sprachen zu lernen. Geprägt von all dem entwickelte ich einen sehr persönlichen Blick auf die Welt und die Dinge um mich herum.

Bei der Aufarbeitung meines durch diese vielen Einflüsse geprägten Lebens halfen Therapien, sowie die Ausbildung zur Begleitung für die entwicklungsfördernde Methode „Arbeit am Tonfeld“. So gelang es mir, meine zwei Kinder alleinerziehend ins Leben zu führen. In dieser Zeit begann ich mit einem Blog, Artworkdiary, auf den ich fast täglich meine neuen Zeichnungen hochlud. Es waren dies vor allem Skizzen aus dem Alltag mit den Kindern, dem Kaffeehaus und  Dingen, die mich Umgaben.

Als Diplomarbeit konzentrierte ich mich auf das Spielzeug meiner Kinder, die Serie „Toys and Tools on Wheels“ entstand dadurch. Nach ursprünglich großen Porträts von Menschen um mich herum, die den Skizzen meiner Notizbüchern entsprangen, wendete ich mich der Darstellung von Dingen zu. Das Kaffeehaus und seine Tortenlandschaften wurden zu einer Faszination, die mich zu einer Serie von 10 Graphiken inspirierte. Der langjährige Radio Ö3 Chef Dieter Dorner wurde zu einem väterlichen Freund, der meine Arbeit förderte bis er leider viel zu früh verstarb.

Alles was mich umgab wurde zum Motiv. Es ging nicht darum, die Gegenstände naturgetreu darzustellen, sondern sie auf das Wesentliche zu reduzieren, dabei die besondere Ästhetik der Formen und Farben zu zeigen und trotzdem die Dinge erkennbar sein zu lassen.In den letzten Jahren liefen viele Dinge an dem Punkt zusammen, wo ich mein Leben aus der Perspektive des Islam betrachten lernte und das als persönlich stützend und befreiend erlebte. Besonders die spirituelle Haltung des Sufismus, die ich durch meinen nunmehrigen Mann und seinen Lehrer Oruc Güvenc kennen lernte, spielt dabei eine große Rolle

Die gerade aktuell entstandenen Werke anlässlich der Ausstellung in der Galerie Mouzaoui sind ein dreiteiliges Tee-Tryptichon: „Der Samowar“, „Die Wiener Teekanne“ und „Die Çaymaschine im Garten“.