FRIDERICA MAGDALENA "VON" WÄCHTER

LEBEN

Ich wurde in Neuseeland geboren als Ergebnis der Reise die meine Eltern mit dem kleinen  Segelschiff „Regentag“ von Friedensreich Hundertwasser unternommen hatten. Diese halbe Weltumseglung dauerte eineinhalb Jahre lang von Venedig aus.

Meine Mutter Jacqueline Ollén war Schwedin und stammte aus einer angesehenen Journalistenfamilie, die unter anderem eine Tageszeitung gegründet hatte und in der Politik und der protestantischen Kirche in maßgeblichen Positionen sehr aktiv war.

Mein Großvater Gösta Ollén  war ein bekannter Redakteur der Tageszeitung Expressen, Hofberichterstatter am schwedischen Königshof und unter anderem ein paar Jahre in Berlin Auslandskorrespondent. Zu dieser dieser Zeit war er eng mit seinem damaligen Kollegen Willy Brandt befreundet.






Friedensreich Hundertwasser, Jacqueline Ollén, Magdalena Friderica von Wächter, Ingrid Ollén (Großmutter), Horst Wächter


Mein Vater Horst Wächter war vor besagter Reise zwei Jahre Sekretär für Friedensreich Hundertwasser, bei dem er unentgeltlich für Kost und Logis arbeitete, da er einem „Juden dienen wollte“. Er ist durch die  Nazivergangenheit seiner Eltern sein Leben lang beeinträchtigt und kann die umfassende Dimension der Handlungen seiner Eltern nicht wahrhaben.

Meine Großmutter Charlotte Wächter, geborene Bleckmann aus der Stahlmagnatenfamilie in Mürzzuschlag, studierte bei Josef Hofmann Textildesign. Trotz ihrer Beschäftigung mit Kunst wandte sie sich überzeugt  dem Nationalsozialismus zu (Kunst alleine ist auch keine Garantie für ethisches Bewußtsein).

Mein Großvater Otto Wächter, belastet mit dem Kriegsheldentum und  der damit einhergehenden Erhebung in den Adelsstand seines Vaters, des späteren Heeresministers Josef Wächter,  war ein führender Nazi der ersten Stunde in Österreich. Er war einer der Hauptorganisatoren des Putschversuches bei dem der Österreichische Bundeskanzler Dollfuß 1934 erschossen wurde. Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an Nazideutschland war er als Staatskommissär hauptverantwortlich für die Entfernung aller Juden und politisch nicht opportunen Staatsangestellten. Er wurde später NS Distriktsgouverneur im besetzten Polen und der Ukraine (dem sogenannten Generalgouvernement),  zuerst in  Krakau, dann in Lemberg. Anschließend war er Militärverwaltungschef in Italien und schließlich in Himmlers Stab in Berlin. Er war verantwortlich für sehr viele Tote im Holocaust sowie des NS Terrors und war Begründer der Gallizischen Waffen-SS. 

Diese Familienlast und der Umgang damit war und ist ein schweres Erbe, das mein Leben nachhaltig prägte und manchmal zu schwer zu tragen war, sodass es mich krank machte. (Diese Geschichte meiner Großeltern ist im 2020 erschienenen Buch "The Ratline" von Philippe Sands ausführlich dargestellt. Im Dezember 2020 wird es auf Deutsch erscheinen.)


Der Weg der Kunst, zuerst das Studium der Tapisserie (Weben, Textilkunst bei Josef Schulz und Irene Hohenbüchler), sowie das Diplom der Malerei und Grafik bei Gunter Damisch, alles auf der Akademie der Bildenden Künste in Wien, war irgendwie schicksalhaft vorgegeben da Friedensreich Hundertwasser mein Taufpate war. Die Kunst war schlussendlich einer der Rettungsanker in meinem Leben um auf allen Ebenen zu überleben und um mich auszudrücken.


Ich wuchs in Italien (Refrontolo und Grancona), Schweden (Stockholm) und Österreich (Fieberbrunn, Bürmoos und Hagenberg) auf. In Hagenberg lebte ich im halbverfallenen Schloss meines Vaters, dass er bis 2020 besaß. Es gingen dort zahlreiche bekannte Künstler ein und aus. Es war auch der Sitz der Wiener Gruppe in den 1960er Jahren. So lernte ich verschiedenste Menschen und Lebensweisen kennen und mit sehr unterschiedlichen Situationen umzugehen: mit Fluchterfahrung zusammen mit meiner Mutter vor ihrem damaligen Mann (meine Eltern waren eine Zeit lang geschieden), mit ständigem Ortswechsel, acht verschiedene Schulen in drei Ländern zu besuchen und fünf Sprachen zu lernen. Geprägt von all dem entwickelte ich einen sehr persönlichen Blick auf die Welt und die Dinge um mich herum.


Bei der Aufarbeitung meines durch diese vielen Einflüsse geprägten Lebens halfen Therapien, sowie die Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin mit der entwicklungsfördernden Kreativmethode „Arbeit am Tonfeld“. So gelang es mir, meine zwei Kinder alleinerziehend ins Leben zu führen.

In dieser Zeit begann ich mit meinem Blog artworkdiary, auf den ich mehrere Jahre fast täglich meine Zeichnungen hochlud. Es waren dies vor allem Skizzen aus dem Alltag mit den Kindern, dem Kaffeehaus und Dingen, die mich umgaben. Für die Diplomarbeit konzentrierte ich mich auf das Spielzeug meiner Kinder, die Serie „Toys and Tools on Wheels“ entstand dadurch. Nach ursprünglich großen Porträts von Menschen um mich herum, die den Skizzen meiner Notizbüchern entsprangen, wendete ich mich der Darstellung von Dingen zu. Das Kaffeehaus und seine Tortenlandschaften wurden zu einer Faszination, die mich zu einer Serie von 10 Graphiken inspirierte. Alles das mich umgab wurde zum Motiv. Es ging nicht darum, die Gegenstände naturgetreu darzustellen, sondern sie auf das Wesentliche zu reduzieren, dabei die besondere Ästhetik der Formen und Farben zu zeigen und trotzdem die Dinge erkennbar sein zu lassen.

Der langjährige Radio Ö3 Chef Dieter Dorner wurde zu einem Mentor und väterlichen Freund, der meine Arbeit förderte bis er leider viel zu früh verstarb.


In den letzten Jahren liefen viele Dinge an dem Punkt zusammen, wo ich mein Leben aus der Perspektive des Islam betrachten lernte und das als persönlich stützend und befreiend erlebte. Besonders die spirituelle Haltung des Sufismus, die ich durch meinen nunmehrigen Mann Gernot Galib Stanfel und seinen Lehrer Oruc Güvenc kennenlernte, spielt dabei eine große Rolle

Die entstandenen Werke anlässlich meiner letzten Ausstellung in der Galerie Mouzaoui sind ein dreiteiliges Tee-Tryptichon: „Der Samowar“, „Die Wiener Teekanne“ und „Die Çaymaschine im Garten“.





CV/LEBENSLAUF


seit 2016 Ausbildung zur zertifizierten Lebens- und Sozialberaterin mit Schwerpunkt auf die Methode ARBEIT AM TONFELD bei Gerhild Tschachler-Nagy, Österreichisches Institut für haptische Gestaltbildung 
 
 
2015 Lehrerin für Bildnerische Erziehung an zwei Mittelschulen in Wien
 
2012 Referentin an der Wiener Kunstschule, Werkstätten für Radierung und Siebdruck
 
2009 Gründung des Blogs ARTWORKDIARY.COM
 
 
2007 Diplom der Malerei und Graphik an der Akademie der bildenden Künste, Wien
 
2004 Studium der Malerei und Graphik bei Gunter Damisch und Otto Zitko, Akademie der bildenden Künste, Wien

1998 Studium der Tapisserie bei Josef Schulz und Irene Hohenbüchler
 
     
Kindheit in Italien, Schweden und Österreich
 
1977 geboren in Kawa Kawa, Bay of Islands, Neuseeland

 


ANKÄUFE UND PREISE


2007  Ankauf der Serie von Siebdrucken “Toys on Wheels” durch das Kupferstichkabinett, Akademie der bildenden Künste

2002  Preis der Drachen Foundation, Seattle

 

AUSSTELLUNGEN

 

2019  Einzelausstellung in Nürnberg, Galerie Mouzaoui, "Things, Animals and People"

 

2018  Ausstellung mit Roswitha Kottek, Schloss Hagenberg


2017  Ausstellung mit Jonathan Quinn, Konzert mit Pamelia Stickney und Gernot Galib Stanfel, Schloss Hagenberg


2016  Ausstellung mit Natasha Fahim, Schloss Hagenberg
 

2014  Ausstellung mit Herbert Fischer,„geschminkte Bronzen und lyrische Bildkompositionen“, Schloss Hagenberg, Niederösterreich, Tag des Denkmals



2012  Gruppenausstellung: Montag ist erst übermorgen/ Junge Kunst auf Papier. Ankäufe des Kupferstichkabinetts 1997-2012, Akademie der bildenden Künste Wien


2010  „MAGDALENAS“,  Einzelausstellung im Schlossmuseum Loosdorf, Konzert Magdalena Piatti


2010  „Ölbilder“, Ausstellung in Dieter Dorners Weinkeller in Mureck, Südsteiermark


2009  „Sweets & Toys“, Druckgraphiken, Graphik Werkstatt Neunteufel Kreilinger


2009  Beteiligung an der Kunstauktion für das Neunerhaus, MAK, Wien


2009  Ausstellung in der Haugsdorfer Kellertrift mit Ales Lamr, Herbert Fischer, Jan Florian und u. a. Lesungen von Arno Geiger, Dietmar Grieser, Eva Male


2009  Einzelausstellung „Toys and Tools on Wheels“, Stable Gallery, 1010 Wien


2007  Diplomausstellung, Akademie der bildenden Künste, Wien

 
2006  Rundgang 06, Akademie der bildenden Künste, Wien


2002  „artVenture“, NÖ Dokumentationszentrum für moderne Kunst, St. Pölten

  


TEXTE

”Um eine Straße zu überqueren, kann man einen Zebrastreifen suchen, sich zur Ampel stellen und warten, bis diese grün wird, um damit der Ordnung und einer Vorstellung von Realität und Gesellschaft genüge zu tun.

Man kann sich aber auch dafür entscheiden, Straßen und Wege zu kreuzen, wo immer und wann immer man will. Die Bedingung dafür ist weniger eine grundsätzlich anarchistische Beziehung zur Ordnung als solcher, sondern ein Wissen darüber, eine Situation und die in ihr aktiven Bewegungen, Überraschungen und sich selbst einschätzen zu können.

Autos sind dann keine Autos mehr, sondern sie markieren Vektoren, die es zu kalkulieren gilt; Menschen sind dann keine Bürger mehr, die sich ordnungsgemäß verhalten, sondern Personen mit Gesichtern, Körperhaltungen und Stimmungen, die es in ihrer Spontaneität zu verstehen gilt. Ein Stück Kuchen am Tisch ist dann keine Nachspeise mehr, sondern eine Herausforderung.

Die Zeichnung, und vor allem die Zeichnung im Werk von Magdalena von Wächter, folgt der allgegenwärtigen Herausforderung, Straßen, Wege, Menschen und Kuchen zu kreuzen, wann immer man will. Was sie repräsentiert, ist ein Blick auf die Welt, die jenseits ihrer Ordnungen und Regeln je aufs Neue verstanden und gesehen werden will.

So wird das Auto zum Treffpunkt mehrerer Koordinaten, und das Stück Torte wird jenseits ihrer Süße zur Herausforderung, die augenscheinlich architektonische Ordnung mit dem Lineament ihrer Flaumigkeit zu verbinden.

Was die Zeichnungen von Magdalena von Wächter besonders hervorhebt, ist ihre Fähigkeit, für diese je aufs Neue ansetzenden Beobachtungen einen Raum zu entfalten, d.h. ihren Motiven auf dem Stück Papier nicht nur Raum zu geben, sondern ihnen auch einen Ort in diesem Raum zuzuweisen.

Was immer ihre Motive sind – geraten sie in ihren Blick, werden sie jenseits einer Ordnung neu gedacht und zugleich in eine Kartografie eingetragen, die sich allein an der Kunst orientiert. Auto, Kuchen und Gesichter sind nur Variablen einer anderen Ordnung.”

Andreas Spiegl,

ehem. Vizerektor der Akademie der bildenden Künste, Wien

 

 

"In der Kunst von Magdalena Friderica von Wächter, die grundsätzlich gegenständlich ist, spielt die extreme Reduzierung der Form auf das Wesentliche die entscheidende Rolle. Die klar gesetzten Striche, sowohl in der Grafik als auch in der Malerei, sind selten einer zu viel, dafür aber formgebend und ohne Unterbrechung. Diese Konzentration des Wesentlichen zur Abbildung der Form, öffnet gleichzeitig unzählige Räume, in den Abbildungen der erkennbaren Wirklichkeit, die Ebenen der Wahrnehmung, die bei der Betrachtung angeregt werden, als Teil des zu Sehenden mit einzuschließen.
So ist ihre Kunst nicht vordergründig spirituell oder ätherisch, gleichzeitig wirkt sie aber, sicher auch geprägt durch die persönliche Geschichte der Künstlerin, gerade in ihrer vermeintlichen Klarheit als ein Schlüssel, die geistigen Ebenen als quasi mitgestaltete aber nicht gleich erkennbare Ebene mitzusehen und die nicht dargestellten Dimensionen ganzheitlich miteinzubeziehen. Das nicht Gezeigte wird so erst für den Betrachter zu einem Teil des insgesamt Erkennbaren." 

G.D.S.


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